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  • dunjaglasmeyer

Interview: Die Kunst der Bewegung

Aktualisiert: 30. Mai 2019

Mohsen Emkani, Trainer für die PAPUYA Kampfkunst,gibt in einem Interview mit dem Sportjournalisten Claus Meier für das ETV-Magazin einen Einblick in seine Theorien über die Kunst der Bewegung.


"Mohsen Emkani, geboren 1955 in Teheran, ist 1979 als Student nach Hamburg gekommen. Seit 2006 unterrichtet er nun schon die Kampfkunst Kung Fu Papuya beim ETV und der KiJu. Mittlerweile kümmern sich insgesamt 7 Kung Fu Trainer/-innen um die Mitglieder und Kurse an den Schulen. Dabei ist Kung Fu Papuya ein neu entwickeltes, auf die heutige Zivilisation angepasstes Bewegungskonzept. Grund genug, inhaltlich mal intensiver nachzuforschen. Sportjournalist Claus Meier befragte Mohsen für das ETV- Magazin, und erhielt interessante Einblicke in das Thema Sport im Zusammenhang mit Gesundheit und Empathie.


C.M.: Mo, was ist eigentlich Kung Fu aus deiner Sicht?


Wenn ein Menschenkind geboren wird, beginnt es den Körper auf neue Art zu bewegen, es muss lernen zu robben, zu sitzen, zu krabbeln. Diesen Prozess bezeichne ich als Körperübungen, die dem Yoga entsprechen, der Körper gewinnt an Stabilität.

Im zweiten Stadium erlernt das Kind langsam und achtsam zu laufen, sein Fokus richtet sich voll und ganz auf ein gewisses Ziel. Hierbei wird die Beweglichkeit und Gleichgewicht des Körpers ausgebildet. Diese Phase entspricht der Bewegungslehre des Tai Chi.

Nun kommen wir in die dritte Phase, in der das Kind in der Lage ist, schnellere und körperlich intensivere Bewegungsabläufe zu vollziehen. Diese Phase nenne ich im übertragenden Sinne Kung Fu. Die drei Stadien gehen Hand in Hand und bauen aufeinander auf.

Durch jahrelanges Studium dieser Kampfkunst habe ich festgestellt, dass sich Kung Fu in zwei unterschiedliche Richtungen entwickelt hat, dem äußeren und inneren Kung Fu.

Beim äußeren Kung Fu wird der Bewegungsapparat durch harte Übungen sowie Techniken trainiert, die dem Ausübenden ermöglichen, sich in der Not entweder schnell zu entfernen oder selbstverteidigen zu können. Die Aufmerksamkeit beim äußeren Kung Fu liegt eher beim Kampf und Wettbewerb.

Beim inneren Kung Fu soll der Körper in seiner Selbstständigkeit und Widerstandsfähigkeit gefördert werden, hierbei wird mit sanften, gesundheitsförderlichen Bewegungsabläufe gearbeitet. Der Fokus richtet sich auf die Empathie, also auf das Mitgefühl, für sich und seinen Körper, sowie auf das Mitgefühl für seine Umgebung und Mitmenschen.

Inneres Kung Fu basiert auf der chinesischen Medizin, der Lehre des Yin und Yang- Prinzips.


C.M.: Viele verbinden Kung Fu auch mit Bruce Lee. Wie betrachtest du diese Vorstellung über diese Kampfkunst?


Natürlich ist Kung Fu als Kampfsport zunächst in den 60er und 70er Jahren durch Bruce Lee weltweit bekannt geworden.

Ich betrachte Bruce Lee aus drei Blickwinkeln. Ich sehe Bruce Lee, den Schauspieler, den Kampfsportler und den Philosophen. Viele kennen ihn nur in seiner Rolle als Schauspieler. Jedoch spiegelt das nicht seine ganze Natur wieder. Zudem ist er nur 33 Jahre alt geworden, er war noch auf seinem Weg.


C.M.: Gibt es auch Turniere beim ETV?


Ja, bei uns liegt der Schwerpunkt bei den internen Turnieren auf dem freudvollen Erproben der bis dahin erlangten Fähigkeiten und auf dem Gemeinschaftsgefühl. Bei dem Turnier wird der Respekt für sein Gegenüber geschult, wir vergleichen unsere Turniere eher mit dem Spiel zweier Katzen in der Natur, Gesundheit und Mitgefühl stehen an oberster Stelle.


C.M.: Wie erreichst du ein Bewusstsein für Kung Fu als Kampfkunst?


Kung Fu bedeutet sinngemäß in Deutsch „regelmäßige Arbeit an dem eigenen Körper mit Achtsamkeit“. Ich verstehe Kung Fu sowohl als Sport, als auch als Kunst. Der Körper ist ein beeindruckendes Werk der Natur. Wenn man seinen Körper bewusst wahrnimmt, ihn versteht und durch entsprechende Bewegungsabläufe trainiert, kann man sein umfassendes körperliches Potenzial ausschöpfen und das ist etwas wunderbares. Der Körper kann wie ein Instrument betrachtet werden, welchen man durch regelmäßige Wiederholung der Übungen perfekt spielen kann. Dieses Körperbewusstsein und die Freude an Bewegungen lassen uns wachsen.


C.M.: Warum ist Bewegung heutzutage überhaupt so wichtig geworden?


Das Leben in sich, von Mikro- bis hin zum Makrokosmos, ist in Bewegung. Der Mensch als Teil der Natur braucht Bewegung, um zu leben und um seine Gesundheit zu bewahren. In der heutigen Zivilisation bewegt sich der Mensch, bedingt durch die Umstände, sehr wenig. Dieser Mangel an Bewegung verursacht viele Probleme des Bewegungsapparats, des Herz- Kreislaufsystems und des Nervensystems. Deswegen brauchen wir alle für die Erhaltung unserer Gesundheit Bewegung im Sinne des Sports.

Bewegung hat einen großen Einfluss auf die Seele und den Geist. Insofern ist Bewegung wichtig. Natürlich spielt auch die Genetik des Menschen eine Rolle. Jeder Mensch bringt unterschiedliche Voraussetzungen mit sich und möchte für sich herausfinden, welche Art von Bewegung und von Sport, ob Handball oder Fußball etc., für ihn konstruktiv ist.


C.M.: Eine abschließende Frage, Mo: Wenn du dir etwas wünschen dürftest für unsere Gesellschaft, was wäre das?


Ich möchte mich mit den Worten Saadis ausdrücken, welche auch den Eingang des Uno-Hauptquartiers in New York schmücken. Saadi, ein persischer Dichter, hat in seinem Buch „Rosengarten“ im Jahre 1259 folgendes niedergeschrieben:

„Die Menschenkinder sind als Glieder fest miteinander verbunden, Da sie der Schöpfung aus einer einzigen Perle entstunden.“

Ich wünsche uns Menschen, dass wir einander, unabhängig von unserer Herkunft, wahrnehmen und wertschätzen.

Zudem wünsche mir für unsere Stadt Hamburg, wie auch für alle Menschen der Welt, mehr Bildung, mehr Sport und mehr Raum für das sportliche Bewusstsein und Miteinander.


C.M.: Vielen Dank für das Interview, Mohsen Emkani.


Herzlichen Dank für das angenehme Interview, Herr Meier."





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